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W
o l f r a m P. K a s t n e r
Peter Zimmermann
Institut
für Kunst und Forschung
Trivastr. 7, D-80637 München, Tel. 089 – 157 32 19
M E D I E N I N F O R M A T I O N
Jämmerlicher Friede(nsengel)
wir laden Sie ein zu einer Performance
„Friedensengel“- unverhüllt
am Donnerstag, 4. Februar 2010 um 11.00 Uhr
am Isartor/Valentinmusäum.
Von dort werden ein jämmerlicher Friedensengel und ein Panzertarnnetz
von einem Pazifisten im Kampfanzug in einem Leiterwagen
zum Kunstverbotsamt im Rathaus am Marienplatz gezogen.
Wie jämmerlich der Friede in München ist, stellte Karl Valentin
schon 1915
mitten im Krieg in einem fotografierten Selbstporträt als Friedensengel
dar (s. Anlage 1).
Mitten im Krieg 2010 erscheint der falsche Frieden ähnlich kläglich.
München hat eine vergoldete Siegesgöttin
(die im Mund des Volkes zu einem falschen Friedensengel wurde)
und eine alljährlich stattfindende Kriegskonferenz
(verharmlosend auch Sicherheitskonferenz genannt, weil dort die
militärische Sicherung wirtschaftlicher Interessen geplant und höchst
eindrucksvoll mitten in der Stadt
quasi militärisch gegen die Bevölkerung gesichert wird.)
Im Zweiten Weltkrieg war die Siegesgöttin großmächtig verhüllt,
damit die Sieges-Illusion nicht von feindlichen Bombern entdeckt
und beschädigt würde.
Im gegenwärtigen Krieg, in den uns deutsche Politiker hineingezogen
haben
und der als humanitäre Intervention im Frieden getarnt wird,
darf der Scheinfriedensengel aber nicht einmal mit einem
winddurchlässigen Panzertarnnetz in einer Kunstaktion verhüllt werden,
damit die getarnte Kriegsplanung und die Verlogenheit der Kriegsherren
auch nicht ansatzweise konterkariert werden.
Die politischen Gründe für das Verbot einer Kunstaktion
tarnt die Stadtspitze mit allerlei windigen Vorwänden.
Zum Beispiel mit einer nicht berechneten „Verdoppelung der Windangriffsfläche“
(weswegen die Siegesgöttin Nike vermutlich einem Stadtrat auf den
Kopf fallen können möchte)
und mit dem angeblichen „Privateigentum der Stadt“
und mit einem Münchner GeschO-Paragrafen,
der die Freiheit der Kunst der Willkür eines Ältestenrats für Kunstverbote
ausliefert.
Mit dieser Aktion plädieren wir für einen echten Frieden,
für den sofortigen Abzug deutscher Soldaten aus Afghanistan
und für eine wirkliche Freiheit der Kunst – sogar in München.
Da der Stadtrat sich noch nicht mit einem weiteren Antrag auf Erlaubnis
der Verhüllung
der goldigen Nike befassen konnte, gehen wir von aus,
dass erst vor der nächsten Kriegskonferenz die Siegesgöttin verhüllt
werden kann.
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